In der kalten Jahreszeit bin ich besonders froh darüber, wieder in einer größeren Stadt zu leben. Hier gibt es viel mehr Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, auch wenn es trüb, kalt und regnerisch ist. Diesen Dezember war ich definitiv mehr unterwegs als in den vergangenen Jahren, das hat mir richtig gutgetan.

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Leben: Frost, Dunkelheit und Sonnenstrahlen

Der Winter in Heilbronn ist mild, trotzdem gab es kurzzeitig Schnee, zu meiner großen Freude aber nur für wenige Tage. Die Schönheit weißer Winterlandschaften kann bezaubernd sein, wiegt für mich aber nicht die Nachteile von Matsch und Glatteis auf. Meine Lieblingsjahreszeit wird der Winter daher nie sein. Ein klein wenig mag ich ihn trotzdem, vor allem, weil er auch die Zeit von Lichterglanz und vorweihnachtlichen Genüssen ist. Frisch am offenes Feuer gegartes Stockbrot und warmer Met haben mich fast vergessen lassen, dass ich eigentlich kein Winterkind bin.

Während der dunklen Monate bin ich dankbar, dass meine Arbeitszeit erst am späteren Nachmittag beginnt. So positiv ich meistens gestimmt bin, neige ich doch zum Winterblues. Unternehmungen helfen dagegen, vor allem aber, so viele Sonnenstrahlen einzufangen, wie ich kriegen kann. Daher ist es wunderbar, dass ich bei Tageslicht eine Runde spazieren gehen kann, ehe ich mich an den Schreibtisch setze.

Meine freien Tage nutze ich gerne für ausgedehntere Runden durch meine Umgebung. An einem sehr kalten, aber wunderbar sonnigen Tag habe ich mich, eingehüllt in zwei Mäntel und mit einer dicken Wollmütze auf dem Kopf, auf den Weg durch den Pfühlpark zum Trappensee und von dort hinauf in die Weinberge und zum Wartberg gemacht. Der Frostnebel hüllte alles in einen sanften Schleier und schuf eine fast schon mystische Stimmung. Nebelschwaden sind wie ein Weichzeichner für die sonst so harten Konturen der Stadt im Tal. Die vielen tollen Eindrucke, die ich unterwegs sammeln konnte, waren den Muskelkater wert, der mir am Tag darauf deutlich zeigte, dass ich aus der Übung bin, was das Überwinden von Steigungen angeht.

Bühne: Ein musikalischer Ausflug in die „High Society“

Im Musical „High Society“ mit Musik von Cole Porter dreht sich alles um die anstehende Hochzeit von Tracy Lord. Warum sie sich ausgerechnet für den langweiligen George entschieden hat, versteht keiner so recht. Zumindest entspricht er ihren hohen moralischen Standards, an denen sie alle anderen Menschen misst. Abgesehen davon scheint er aber nicht so recht zu Tracy zu passen, anders als ihr Ex-Mann Dexter, der am Vortag der Hochzeit überraschend auftaucht und der Familie zudem verkündet, dass er den Schriftsteller Mike und die Fotografin Liz als angebliche Verwandte einzuschleusen gedenkt, damit sie von der Hochzeit berichten können. Nur so lässt sich verhindern, dass ein skandalöser Artikel über Tracys Vater erscheint.

Bis zum erwartbaren Ende gibt es einige Turbulenzen, begleitet von schwungvoller Musik. Das Bühnenbild ist reduziert und besteht nur aus verschiebbaren Vorhängen, Betonblöcken und wenigen Accessoires, was für meinen Geschmack aber völlig ausreicht. Aufwendige Kulissen sind zwar manchmal hübsch anzusehen, ich brauche sie aber nicht, Hauptsache die Geschichte stimmt. Die war bei „High Society“ vorhersehbar, aber unterhaltsam. Auch musikalisch hat mir das Stück gut gefallen.

Insgesamt war der Abend kurzweilig und vergnüglich. Ich hatte meinen Spaß mit „High Society“, es ist allerdings kein Musical, das ich mir mehrmals ansehen würde. Dazu haben mich die Handlung und die Figuren emotional zu wenig berührt. Das ist nicht weiter schlimm, denn manchmal reicht es mir völlig, gut unterhalten zu werden, und das wurde ich.

Unternehmungen: Gaumenfreuden, Artistik und Winterzauber im Freizeitpark

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal in einer Dinnershow, und zwar beim „Radio Ton Gourmet Palast“ in Heilbronn. Früher habe ich mich nicht getraut, denn obwohl es mir sonst nichts ausmacht, alleine auszugehen, war mir unwohl beim Gedanken daran, mit Fremden an einem Tisch platziert zu werden. Ein gemeinsames Essen ist etwas anderes als im Theater nebeneinander zu sitzen und auf die Bühne zu sehen. Zum Glück erwiesen sich meine Bedenken als unbegründet, denn ich hatte ein sehr nettes Paar als Gesellschaft. Der Small Talk fiel mir erstaunlich leicht. Allgemein war die Atmosphäre viel entspannter, als ich es erwartet hatte.

Der kulinarische Teil des Abends bestand aus vier von unterschiedlichen Sterneköchen zusammengestellten Gängen, die zwischen den artistischen, musikalischen und komödiantischen Programmpunkten serviert wurden. Es war mein erster Berührungspunkt mit der Sterneküche, entsprechend war ich sehr gespannt. Ich bin definitiv auf den Geschmack gekommen! Die Vielfalt an Aromen und Konsistenzen war ebenso ein Erlebnis wie die Artisten auf der Bühne. Seiltanz, Luftakrobatik und Balanceakte sorgten für beste Unterhaltung. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert davon, wozu der menschliche Körper fähig ist, sei es hinsichtlich der Kraft oder der Biegsamkeit. Ich selbst bin ja schon froh, wenn ich unfallfrei spazieren gehen kann und nicht nach drei Sekunden umkippe, wenn ich versuche, auf einem Bein zu stehen.

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Mein letzter Besuch im „Europa-Park“ in Rust ist schon einige Zeit her. Direkt nach Weihnachten war es wieder so weit. Normalerweise meide ich die Ferientage und besuche Freizeitparks unter der Woche, weil es dann viel ruhiger und entspannter ist. Dieses Mal bin ich aber hingefahren, um mich mit meinem Bruder und seiner Familie zu treffen, daher habe ich eine Ausnahme gemacht und mich vorab darauf eingestellt, mir eher die schöne Dekoration anzuschauen als mich auf die Hauptattraktionen zu stürzen.

Von den großen Achterbahnen bin ich nur Euro-Mir und Eurosat gefahren. Bei ersterer hatten wir morgens Glück und mussten nur fünf Minuten warten, für letztere habe ich ein Virtual Line-Ticket ergattert und konnte so die Wartezeit umgehen. Um 17:45 entdeckte ich es in der App, zwischen 17:50 und 18:00 durfte ich den schnelleren Zugang nutzen. Da wir zu dem Zeitpunkt ohnehin ums Eck waren, passte das perfekt. Auch bei den Piraten von Batavia haben wir einen guten Zeitpunkt erwischt und konnten direkt durchgehen, später hätten wir auch hier eine halbe Stunde warten müssen.

Während es bei den Hauptattraktionen lange Schlangen gab, konnten wir viele andere Fahrgeschäfte ohne nennenswerte Wartezeiten nutzen, etwa meinen persönlichen Favoriten „Crazy Taxi“ mit der Intromusik der Serie Miss Marple. Das Highlight war ohnehin die Dekoration, vor allem als es dunkel wurde und überall Lichter erstrahlten.

Medien: Ein Buchhighlight, meine liebsten Batman-Interpretationen und ein fantastisches Serienfinale

Der Winter ist die perfekte Zeit, um es sich mit einer Tasse Tee und einem guten Buch, einem Film oder einer Serie gemütlich zu machen. Schade nur, dass mich in den letzten Wochen so wenig wirklich begeistert. Zumindest bei den Büchern gab es aber zum Jahresende hin noch einen Flautenbrecher, der mich positiv gestimmt ins kommende Lesejahr gehen lässt.

Bücher: „Libellenschwestern“

Mein Merkzettel in der Onleihe besteht zu 90 Prozent aus der Kategorie „Ach ja, könnte vielleicht was sein“. Das liegt nicht unbedingt an den Büchern selbst, sondern eher daran, dass ich lange kein wirkliches Highlight mehr hatte. Zum Glück hat sich das mit „Libellenschwestern“ von Lisa Wingate geändert. Es war nach einer längeren Flaute endlich wieder ein Buch, das mich von Anfang an gepackt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen hat.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart besucht Avery ein Altersheim, um ihren krebskranken Vater in seinem politischen Wahlkampf zu unterstützen. Dort trifft sie auf May, die nicht nur ihr Libellenarmband erkennt, sondern auch ein Foto ihrer Großmutter besitzt. Averys Neugier ist geweckt. Sie beginnt zu recherchieren und kommt einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur.

In der Vergangenheit dreht sich alles um die junge Rill. Während ihre Eltern im Krankenhaus sind, werden sie und ihre Geschwister entführt und in ein Waisenhaus gebracht. Was sie dort erleben müssen, ist schrecklich, daher ist „Libellenschwestern“ kein Buch für Leserinnen und Leser, die nach leichter Unterhaltung suchen.
Mich hat das Schicksal der Kinder tief berührt und erschüttert. Dieser Effekt verstärkte sich noch, als ich aus dem Nachwort erfuhr, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten beruht. Die Charaktere im Buch sind zwar erfunden, ihre Geschichte ist aber von den realen Ereignissen rund um Georgia Tann inspiriert, die etliche Kinder gegen Bezahlung an Adoptiveltern vermittelte. Dabei schreckte sie auch vor Entführungen sowie Nötigung und Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht zurück. Auf der Verlags-Website von Penguin Random House gibt es dazu einige Hintergrundinformationen.

Comics: „Batman: Noël“

Im Dezember ist es bei mir inzwischen Tradition, meinen absoluten Lieblingscomic zu lesen – „Batman: Noël“ von Lee Bermejo. Es handelt sich dabei um eine Adaption der berühmten Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Als ich das erste Mal davon hörte, war ich skeptisch, ob das funktioniert, doch das tut es, und wie!

Batman ist alt und vor allem hart geworden, ein richtiger Scrooge eben. Entsprechend rücksichtslos setzt er Bob zu, der nur aus Verzweiflung als Handlanger für den Joker fungiert. Im Grunde ist er ein guter Kerl, der versucht, über die Runden zu kommen und für seinen geliebten Sohn zu sorgen. Hintergründe oder persönliche Schicksale interessieren Scrooge/Batman jedoch nicht, für ihn gibt es nur noch Schwarz und Weiß, kriminell oder nicht kriminell. Erst die Begegnung mit drei Geistern erinnert ihn an den Helden, der er einst war und bringt den scheinbar erloschenen Funken Menschlichkeit in ihm wieder zum Glimmen.

Diese Graphic Novel ist von Anfang bis Ende ein Kunstwerk. Lee Bermejos Zeichnungen sind so voller Facetten und Leben, dass ich jedes Mal Stunden mit „Batman: Noël“ verbringe, obwohl die Story an sich schnell gelesen ist. Es wäre geradezu frevelhaft, über die großartigen Bilder hinweg zu blättern. Sie sind unfassbar detailreich und transportieren die Emotionen der Charaktere auf beeindruckende Weise. Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch einen Comic lesen dürfte, wäre es ohne jeden Zweifel „Batman: Noël“.

Filme: „The Batman“

Da wir gerade bei Batman sind: Während eines Spaziergangs über den Weihnachtsmarkt erklang aus den Lautsprechern das „Ave Maria“. Wer „The Batman“ gesehen hat, weiß jetzt sicher, welche Assoziation mir dabei kam. Wahrscheinlich werde ich das Lied nie wieder hören können, ohne dabei an den Riddler zu denken. Wenn ein Film das in mir auslöst, muss er mich beeindruckt haben. Das trifft auf „The Batman“ definitiv zu. Nach dem Weihnachtsmarktbesuch musste ich ihn sofort noch einmal schauen, zum sechsten oder siebten Mal inzwischen, dreimal davon auf der großen Leinwand.

Für den Kinostart im März hatte ich sogar Urlaub genommen, weil es für mich unvorstellbar war, auch nur einen Tag länger als nötig zu warten. Es kommt selten vor, dass ich derart gespannt in meinem Kinosessel sitze wie bei der Premiere von „The Batman“, voll erwartungsvoller Spannung, gemischt mit einem Funken Angst, enttäuscht zu werden. Diese war jedoch unbegründet, denn schon die ersten Minuten zeigten mir: Das ist genau die Art von Batman-Film, die ich sehen möchte, wunderbar düster, ernst und erwachsen. Die Atmosphäre von Gotham City hat für mich keiner der Vorgänger so gut eingefangen wie „The Batman“. Auch ansonsten liebe ich den Film, sogar noch eine Spur mehr als die beiden Burton-Filme und die Nolan-Trilogie, die ich ebenfalls ins Herz geschlossen habe.

Serien: „His Dark Materials“

Nachdem mich letzten Monat „Wednesday“ für kurze Zeit aus den Untiefen meiner Serienflaute befreit hatte, war ich im Dezember wieder mittendrin. Ich finde beim Stöbern kaum etwas, das ich unbedingt sehen möchte. Eine der wenigen Serien, bei denen ich Lust hätte, mehrere Folgen hintereinander zu sehen, ist „The Good Doctor“, nur gibt es da leider nur eine neue Episode pro Woche.

Einen Lichtblick gab es aber doch: Das Erscheinen der dritten Staffel von „His Dark Materials“ hat mich dazu bewegt, die Serie noch einmal von vorne zu beginnen. Die Bücher von Philip Pullman kannte ich vorher nicht, habe sie aber inzwischen gelesen. Während „Der Goldene Kompass“, die Verfilmung des ersten Bandes, eher wirr geraten ist, tut der Serie die längere Spielzeit von einer Staffel pro Buch ausgesprochen gut. Auch optisch ist „His Dark Materials“ ein Genuss, vor allem die Steampunk-Ästhetik in Lyras Welt spricht mich an. Dort haben alle Menschen einen Daemon, eine Art Verkörperung ihrer Seele in Tiergestalt. Während sich Lyra auf die Suche nach ihrem verschwundenen besten Freund Roger begibt und versucht, mehr über eine rätselhafte Materie namens Staub herauszufinden, kümmert sich Will in unserer Welt um seine psychisch labile Mutter. Schnell wird klar, dass es eine Verbindung zwischen diesen und weiteren Welten gibt.

Die ersten beiden Staffeln haben mir sehr gut gefallen. Daher hatte ich große Lust darauf, die Geschichte noch einmal von Anfang an zu erleben, ehe ich mich der finalen Staffel widme. Diese ist derzeit nur auf Englisch verfügbar, laut Angaben von Sky soll die Synchronisierung voraussichtlich im März 2023 folgen. Den Großteil habe ich trotzdem gut verstanden, beim Rest halfen mir die deutschen Untertitel, außerdem hatte ich die Handlung aus den Büchern grob im Hinterkopf.

Auch in der finalen Staffel hält die Serie das hohe Niveau und spielt dank der hervorragenden Besetzung eine der Stärken der Vorlage heraus – die vielschichtige Charakterzeichnung. Viele der Figuren sind weder eindeutig gut noch böse, sondern bewegen sich im Graubereich oder verändern sich im Lauf der Handlung. „His Dark Materials“ nimmt sich genug Zeit, diese Entwicklung zu zeigen und erlebbar zu machen. Ich habe Lyra und Will gerne auf der letzten Etappe ihrer Reise begleitet und bin mit dem Abschluss mehr als zufrieden.

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