Das Theatererlebnis fängt bereits beim Betreten des Foyers an. Ich mag die freudige Erwartung, die von Anfang an mitschwingt. Meist sitze ich früh an meinem Platz und habe noch einige Minuten Zeit zu beobachten, wie der Saal sich langsam füllt.
Wenn die Türen sich schließen und die Lichter langsam bis zum Erlöschen gedimmt werden, ist der Höhepunkt der Vorfreude erreicht. Nur noch wenige Sekunden und das Stück beginnt.

Im Theater lenkt mich nichts vom Geschehen auf der Bühne ab. Das genieße ich besonders, denn ich muss gestehen, dass ich zuhause dazu neige, nach dem Handy zu greifen, selbst wenn ich mir gerade einen Film oder eine Serie anschaue. Ich arbeite daran, mir das abzugewöhnen, aber das braucht seine Zeit.

In einem Zuschauerraum käme ich niemals auf die Idee, mein Smartphone auszupacken, außer in der Pause. Meine Gedanken schweifen dort nur ab, wenn ich mich langweile, und das kam bisher nur selten vor. Meist habe ich in einem Theater kurzweilige Stunden verbracht, die mich mal erheitert, mal erschüttert, doch fast immer auf die eine oder andere Art berührt haben.

Die Unmittelbarkeit des Geschehens verleiht Bühnenstücken einen ganz eigenen Zauber. Hier gibt es keine eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen oder aufwendige Spezialeffekte wie im Film, wo sie mitunter über dramaturgische oder darstellerische Schwächen hinwegtäuschen. Alles spielt sich mit begrenzten Mitteln direkt vor den Augen des Publikums ab, ohne Schnitt und zweite Takes. Das macht das Theatererlebnis für mich so besonders.

Übrigens freue ich mich sehr, wenn Shakespeare-Stücke auf dem Spielplan stehen. „Romeo und Julia“ habe ich kürzlich in der vierten Bühnenversion gesehen, „Hamlet“ immerhin in zwei verschiedenen Inszenierungen. Die Tragödie um den dänischen Prinzen ist mir das liebste unter Shakespeares Dramen, daher hoffe ich sehr, dass es in nicht allzu ferner Zukunft wieder in meiner Nähe gespielt werden wird.

Ob Shakespeare oder etwas anderes, ich genieße es, im Theater zu sein. Das ist auch einer der Hauptgründe für meine Entscheidung, wieder in eine Großstadt zu ziehen. Ich habe hier kulturell ganz andere Möglichkeiten als in meiner ländlich gelegenen Heimat. Nach meinem Umzug habe ich richtig gemerkt, wie ausgehungert ich in dieser Hinsicht war. Dadurch habe ich das Theater sogar noch ein wenig mehr zu schätzen und zu lieben gelernt.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner